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Andreas Geisler | SPD-Landtagskandidat

In der Presse


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LVZ vom 06.08.2009

7. Wahlforum: Hitzige Debatte um Schulbildung und Nachtflüge im LWK 31

Beim siebenten und letzten Wahlkreis-Forum der LVZ-Lokalredaktion zur Landtagswahl am Dienstagabend in Stahmeln brannte die Luft. Zwei Stunden lang erlebten die 90 Zuschauer im überfüllten Konferenzsaal der LVZ-Druckerei fünf streitlustige Direktkandidaten des Wahlkreises 31.

Am Anfang klärten zwei von ihnen erst mal die Fronten. Auch wenn 2006 auf die SPD in dem Wahlkreis, der die eingemeindeten Ortsteile im Leipziger Norden, die Städte Schkeuditz und Taucha sowie die Gemeinde Rackwitz umfasst, nur 16,7 Prozent der Erststimmen entfielen, mag Andreas Geisler (43) nicht nur als demokratisches Beiwerk zur Wahl antreten. Er macht Rolf Seidel (56) das Mandat streitig. Der CDU-Politiker hatte den Direktsitz im Landtag zwar mit imposanten 48,3 Prozent geholt. Geisler, der schon der Statur wegen nicht in die David-Rolle passt, ließ seinen Hauptkonkurrenten daher deutlich wissen: „Ich will Sie in Rente schicken, dann können Sie Ihre Memoiren schreiben. Titel: Die erfolglosen Jahre eines Hinterbänklers.“ Seidel, seit 15 Jahren im Landtag, konterte: „Ich wusste gar nicht, dass ein Hassprediger neben mir sitzt. Sie können gar nicht einschätzen, was ich getan habe. Beim Thema Fluglärm zum Beispiel war ich schon fleißig unterwegs, da haben Sie noch in Ihrer Backstube Brötchen gebacken.“ Er wundere sich, meinte FDP-Kandidat Carsten Pommer (28), dass ausgerechnet die Vertreter der beiden Regierungsparteien sich so behakeln. „Wenn man sich als Brötchenbäcker und Hinterbänkler bezeichnet, spiegelt das ein bestimmtes Niveau der Großen Koalition wider“, so Pommer, dessen Partei auf eine Regierungsbeteiligung nach dem 30. August hofft. Es ging an dem Abend, durch den LVZ-Vizelokalchef Kai-Uwe Brandt führte, aber auch um Sachthemen. Zum Beispiel diese:

Bildung: „In Deutschland hat Sachsen einen guten Stand erreicht“, räumte Luise Neuhaus-Wartenberg (29, Linke) ein. „Aber im internationalen Pisa-Vergleich hängen wir absolut hinten dran.“ Seit 1990 hätten zwischen 90.000 und 100.000 Schüler die Schule ohne Abschluss verlassen. „Wir stehen für flächendeckende Gemeinschaftsschulen“, so die Studentin weiter. Und zwar für eine Schulform bis zur 9. Klasse.

„Längeres gemeinsames Lernen macht Sinn“, pflichtete ihr Geisler bei. Die Hürden zum Gymnasium müssten wieder angehoben werden, erklärte Pommer. Er könne verstehen, dass viele Unternehmer auf Abiturienten zurückgriffen, „denn das Niveau des Mittelschulabschlusses ist steigerungsfähig“. Seidel verteidigte dagegen das bestehende mehrgliedrige System: „Man muss Ungleiches auf unterschiedlicher Stufe fördern“, sagte er.

Wirtschaft: Der CDU-Mann sieht eine gute Basis für wirtschaftliche Prosperität. „Sachsen ist nach wie vor das Land der Ingenieure, wir haben die höchste Ingenieursdichte in Deutschland.“ Für Neuhaus-Wartenberg noch lange kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen: „Wo sind denn die ganzen Innovationen der Ingenieure, wo sind die Patente“, fragte sie. Für ein grundsätzliches Umdenken warb Gisela Kallenbach (65, Grüne). „Wir können veraltete Technologien nicht mehr am Leben erhalten“, sagte die ehemalige Europaabgeordnete. „Nokia würde es wahrscheinlich heute nicht mehr geben, wenn die Firma bei ihrer ursprünglichen Produktionspalette – Gummistiefel und Papier – geblieben wäre.“

Pommer hob die Bedeutung des Mittelstandes hervor. „86 Prozent der Sachsen arbeiten nicht bei Leuchttürmen wie BMW und Porsche, der Großteil ist bei Unternehmen des Mittelstandes mit 20 bis 30 Mitarbeitern beschäftigt“, sagte der Mediziner. Anstatt immer nur Leuchttürmen Steuergeld hinterher zu werfen, müsse endlich Handwerkern unter die Arme gegriffen werden, forderte er unisono mit Geisler. „5000 ausgebildete Meister haben in Sachsen nicht den Mut, sich selbstständig zu machen“, konstatierte der Bäckermeister mit SPD-Parteibuch. „Wenn jeder von denen nur fünf Leute einstellen würde, wäre uns schon ein gutes Stück geholfen.“

Fluglärm: „Im Zweifelsfall müssen Bürger über das gesetzliche Maß hinaus vor Lärm geschützt werden“, verlangte Geisler. Auch Seidel tritt für Entlastungen ein, lässt in einem Punkt aber keine Zweifel aufkommen: „Es geht nur mit und nicht gegen den Flughafen.“ Neuhaus-Wartenberg kritisierte, dass über die nächtlichen Frachtflüge hinaus Militärflüge zugelassen sind. „Seit Frühjahr 2006 wurden hier 1,2 Millionen US-Soldaten abgefertigt.“

Einige waren sich zum Schluss alle Kandidaten jedoch bei einem Thema: Der Wiedereinzug der rechtsextremen NPD in den Landtag müsse verhindert werden. „Diese Partei will die Demokratie abschaffen“, warnte Kallenbach. „Bei einer hohen Wahlbeteiligung hat die NPD wenig Chancen.“

Klaus Staeubert

 
 

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