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Andreas Geisler | SPD-Landtagskandidat

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Wahlmarathon Leipzig 2009: Eine echte Zitterpartie für Andreas Geisler

Wahlmarathon Leipzig 2009: Eine echte Zitterpartie für Andreas Geisler
Ralf Julke aus LIZZY ONLINE
05.08.2009

Am 27. September noch einmal zittern: (Beinahe-)Stadtrat Andreas Geisler.Foto: Ralf JulkeSo eine Achterbahnfahrt hätte sich Andreas Geisler nicht träumen lassen, als er sich im Wahlkreis 8 zur Kandidatenkür der SPD für den Stadtrat stellte. Die gewann der 43-Jährige. "Das war schon nicht leicht." Aber der 7. Juni wurde für ihn zum Aufreger.

Denn am Ende ging es um eine einzige Stimme, die darüber entschied, ob der Bäckermeister aus Lindenthal für die Sozialdemokraten in den neuen Stadtrat einziehen würde – oder der nächste Kandidat der Linkspartei. Am Ende war Andreas Geisler drin. Aber so knapp, dass die Landesdirektion Leipzig am 9. Juli entschied: In fünf Leipziger Wahlbezirken muss noch einmal gewählt werden. So lange ist die Wahl nicht gültig. So lange ist auch Andreas Geisler nicht Stadtrat.

Das erfuhr er freilich erst nach seinem Urlaub. Da war der Bäckermeister erst mal platt. Alle Mühe schien umsonst. Am 27. September werden die fünf beanstandeten Wahlbezirke zwar noch einmal neu gewählt. Nur keiner davon liegt im Wahlkreis des Bäckers aus dem Leipziger Nordwesten.

Der hat sowieso zu tun in diesen Tagen: 1.150 Plakate hat er geklebt. Die Hälfte hängt schon. Nicht nur in Lindenthal, wo man ihn seit Jahren kennt als engagierten Mitstreiter im früheren Gemeinderat, seit 1999 im Ortschaftsrat des eingemeindeten Ortes. Auch im Elternbeirat der Schule. Zwei Töchter hat er und einen Pflegesohn – und kann sich maßlos ärgern, wenn in Schkeuditz das Versprechen für einen Schulneubau acht Jahre lang immer wieder vertagt wird – die gleichzeitig geplante Landebahn Süd des Flughafens aber längst fertig ist und das DHL-Zentrum am Flughafen noch schneller.

„Da stimmen einfach die Prioritäten nicht", sagt der Handwerksmeister, der auch am 30. August kandidiert: dann als Spitzenkandidat der SPD im unmöglichsten aller Leipziger Wahlkreise – dem Wahlkreis 7, der neben den Leipziger Gemeinden Lützschena-Stahmeln, Lindenthal, Wiederitzsch und Seehausen auch noch die Kommunen Taucha, Rackwitz und Schkeuditz aus dem Landkreis Nordsachsen umfasst.

„Es gab Leute, die wollten diesen unmöglichen Zustand ändern bis zur Wahl", sagt Geisler. „Doch das wurde – wieder einmal – verhindert." Dass der CDU-Kandidat Rolf Seidel, der für die Leipziger Politik seit Jahren keine Rolle spielt, hier sein wichtigster Herausforderer ist, empfindet Geisler eher als Herausforderung. Tatsächlich aber sind die Interessen der Leipziger Gemeinden in diesem Wahlkreis deutlich andere als die der zu Nordsachsen zählenden.

Stieg in die Politik ein, um Dinge zu ändern: Bäckermeister Andreas Geisler.Foto: Ralf Julke
„Und ich will für meinen Wahlbezirk kämpfen", sagt Geisler. „Das tue ich schon seit Jahren. Denn diese Sachen gehen immer unter. Die interessieren andernorts keinen." Das geht schon in Leipzig los.

„Ich bin eigentlich regelmäßig im Neuen Rathaus", erzählt der 43-Jährige, der seine Bäckerei in der zweiten Generation führt. Seine Eltern haben die Bäckerei in Lindenthal gegründet nach der Flucht der ganzen Familie aus dem schlesischen Lauban, wo die Geislers schon seit sieben Generationen das Backhandwerk betrieben. In DDR-Zeiten hätte Andreas Geisler schon gern studiert. „Doch nicht um jeden Preis", sagt er heute. Denn als Bäckersohn hätte er einige Zugeständnisse machen müssen. „Das wollte ich nicht." Da ging er doch lieber bei Bäckermeister Eifert in Dölzig in die Lehre, wurde Bezirkssieger der Lehrlinge und machte mit 21 seinen eigenen Meisterbrief. Grundlage dafür, 1989 die Bäckerei seiner Eltern wieder zu eröffnen und in den nächsten Jahren tüchtig zu investieren in Haus und Technik.

Das hätte schief gehen können. Denn vom Bäckerasthma blieb er leider nicht verschont. „Hätte ich nicht früh genug die richtigen Medikamente gekriegt, hätte ich aufhören müssen", erzählt Geisler. Die Belegschaft musste er trotzdem reduzieren – arbeitet heute mit Frau und zwei Mitarbeitern in der Bäckerei, die sich ganz auf Handarbeit stützt. Händler, die ihm mit Ersatzstoffen das Haus einrennen, bittet er höflich wieder zu gehen. Bei ihm kommt kein getürktes Produkt in die Auslage.

Dafür regelmäßig Kuchen nach Rezepten der schlesischen Vorfahren – „Geschichten mit Quark und Mohn", wie er sagt. Geheimtipps für Leckermäuler. Auch solche, die sich ins manchmal gar nicht so ruhige Lindenthal verirren. Den Lärm, der die Ortschaften im Leipziger Nordwesten immer mehr belastet, hört man ja in Leipzig kaum. Auch wenn die Lärmkarte der Stadt einen glühenden Lärmstreifen zeigt, der den eigentlich ländlichen Norden zerschneidet – die A14, die größte Lärmquelle der Stadt. Lauter, als den Anliegern bei den Planungen der frühen 1990er Jahre versprochen. „Man hat einfach nicht den leiseren Bitumenbelag aufgebracht", so Geisler, „sondern den lauteren Beton."

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Doch wo niemand zuhört, bleiben die Klagen der Betroffenen ungehört. Dasselbe beim Fluglärm, der mit der "kurzen südlichen Abkurvung" seit zwei Jahren ganz Leipzig erfreut. Die Hauptlast des Lärms aber tragen die Gemeinden im Leipziger Norden und Nordwesten – und gerade in Geislers Wahlkreis durften die Meisten zum Bebauungsplan gar nicht Stellung nehmen – also auch keinen Einspruch erheben. Sie wohnten nicht in der offiziell propagierten Flugschneise. Dafür wohnen sie mitten in der Abkurvung, dort, wo die Flugzeuge niedrig und laut aufs Leipziger Stadtgebiet abdrehen.

„Und das alles für ganze sechs Minuten Zeitersparnis", ärgert sich Geisler, der die Fachleute auch gefragt hat, ob das Ganze wenigstens die Umwelt schont und Kerosin spart. Doch genau das ist nicht der Fall: Der steilere An- und Abflugwinkel frisst den Sprit trotzdem.

„Wir haben doch nichts gegen den Flughafen", so Geisler. "Aber an Stelle des Flughafens würde ich doch das Einvernehmen mit den Bürgern suchen. Da sucht man doch nicht die Konfrontation auf Teufel komm raus." Noch seien es nur eine Handvoll Passagiermaschinen, die auch nach 22 Uhr oder vor 6 Uhr übers Stadtgebiet abdrehen. „Aber der Flughafen reizt seine Grenzen immer mehr aus", so der Ortschaftsvertreter. „Irgendwann fliegen hier 100 DHL-Maschinen über die Stadt. Und dann?"

Dasselbe Entgegenkommen vermisst er vom Porsche-Werk Leipzig. „Die haben damals, als das Werk gebaut wurde, einfach die Radwege gekappt", so Geisler. „Einen Ersatz gibt es bis heute nicht." Und auch sonst verdienen sich die regionalen Planer mit Radwegeverbindungen in die Gewässerlandschaft im Leipziger Norden keine Ehrenmedaille. Da werden dann zwar Brücken gebaut – aber aus Kostengründen einfach die Radwege weggelassen.

Bei der Landtagswahl kandidiert Andreas Geisler als Direktkandidat.Foto: Ralf Julke
Alles Dinge, die Andreas Geisler nicht nur im Leipziger Stadtrat endlich auf den Tisch packen würde. Dort vermisst er eine echte Vertretung der Gemeinden am Nordrand. Und im Landtag erst recht. Dafür ist er seit Tagen unterwegs, hat zusätzlich zu den 150 Plakaten, die ihm die Landes-SPD gestellt hat, 1.000 eigene drucken lassen. Auf beiden ist er in Bäckermontur zu sehen. „Die Leute sollen schon wissen, wen sie da wählen sollen", sagt er. Und stöhnt doch ein bisschen, denn aufhängen musste er die ersten 600 Plakate allein. „Und der Wahlkreis ist gewaltig", sagt er. Wie gesagt: Er muss nicht nur nach Schkeuditz und Lützschena, er muss auch rüber bis nach Taucha.

Und das mit dem Wissen, dass er nicht nur am 30. August mitfiebern darf, wenn es um das Direktmandat im Wahlkreis 7 geht (auf der Landesliste der SPD steht er auf Platz 39), sondern am 27. September noch einmal, wenn der 15. Sitz der SPD im Leipziger Stadtrat zur Kür steht. „Und ich kann da einfach nichts machen. Die fünf sind alles nicht meine Wahlbezirke, in denen die Entscheidung fällt."

Die Wahl in den Ortschaftsrat Lindenthal am 7. Juni hat er übrigens locker geschafft. Dort ist die SPD mit zwei von sieben Sitzen vertreten. Und es muss auch nicht – wie in Lützschena – neu gewählt werden.

www.andreas-geisler.eu

 
 

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